Raspberry Pi als Multimediaserver

Heimnetzwerk – Günstiger HD-fähiger Multimediaplayer

Es wird langsam wieder Zeit, sich über die Projekte im Haus Gedanken zu machen. Wir hatten bereits auf unserem Bautagebuch über den Aufbau des Heimnetzwerkes berichtet. Nun haben wir das Netzwerk noch um einen HD-fähigen Multimediaplayer erweitert, welchem wir bequem via Smartphone steuern können und das für insgesamt weniger als 60 €!

Viele Technik-Fans können es wahrscheinlich schon ahnen: Das Zauberwort heißt „Raspberry Pi“. (Übersetzt „Himbeerkuchen“). Der Raspberry ist ein Mini-Computer in der Größe einer Scheckkarte. Ursprünglich von der Uni in Cambridge entwickelt, um ihre Studenten wieder mehr für das Programmieren und Experimentieren mit Computern zu begeistern. Damit die Studenten auch keine Angst haben müssen, etwas kaputt zu machen, sollte der Computer möglichst günstig sein. Herausgekommen dabei ist die „Himbeere“ für umgerechnet knapp 40 €, der alle Voraussetzungen für einen Multimediaserver mitbringt. Er verfügt über eine Lan- und Audio-Schnittstelle, zwei USB-Anschlüsse, einen HDMI Ausgang, sowie über einen Slot für SD-Karten.
Mittlerweile hat der kleine Computer eine große Fangemeinde und es werden damit nicht nur sehr günstig ganze Schulen ausgerüstet, sondern auch die verrücktesten Projekte realisiert.

Raspberry Pi mit Netzteil und SD-Karte

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Viel mehr braucht man nicht...

Aber man muss gar kein „Nerd“ sein, um einen Mediaserver mit dem Raspberry Pi aufzusetzen. Insgesamt sollte es nicht länger als eine halbe Stunde dauern und man benötigt dazu nur Grund-PC-Kenntnisse sowie einen zusätzlichen PC (o.ä.) mit einem SD-Card Reader, um die Software auf den Mini-Computer zu übertragen.

1. Die Hardware – RasberryPi Typ B und SD-Karte

Zunächst einmal muss man sich die notwenige Hardware beschaffen. Wichtig ist das Modell B des Raspberry Pis zu kaufen. Das kann entweder direkt beim Hersteller erledigt werden (Lieferzeiten ca. 2 Wochen) oder bei einem Technik Onlineshop. Außerdem braucht man noch ein passendes Netzteil für den Raspberry. Hier kann man auch auf günstige Alternativen zurückgreifen. Zudem benötigt man eine SD-Karte, die als Speicher dient. Als Multimediaserver mit Netzwerkanschluss ist eine 16 GB SD-Karte völlig ausreichend. Man sollte nur darauf achten, dass diese schnell genug (> Class 10) ist. Bei uns wird darauf nur das Betriebssystem gespeichert und alle anderen Daten werden direkt über das Heimnetzwerk vom NAS gestreamed.

Einkaufsliste:

  • Raspberry Pi Typ B ~ 40 €
  • Netzteil ~ 10 €
  • SD-Karte 16 GB ~ 10 €

Voraussetzungen:

  • PC, o.ä.
  • Fernseher mit HDMI Anschluss
  • SD-Karten Leser
  • HDMI Kabel (Verbindung zum Fernseher)
  • USB Tastatur (eigentlich nur bei der Installation notwendig)
  • LAN Kabel / Internetanschluss
  • Empfohlen: Heimnetzwerk mit NAS (o.ä.) und DHCP
  • Empfohlen: Smartphone (als Fernbedienung – aber auch andere Fernbedienungen sind möglich.)

2. Vorbereitungen

Als Betriebssystem verwendet der Media-Player ein angepasstes Linux. Hier gibt es verschiedene Distributionen, welche in Frage kommen:

  • XBian
  • Rasbmc
  • OpenELEC

Alle drei unterschieden sich nur gering und die genauen Unterschiede lassen sich auf den Hersteller Seiten nachlesen. Wir haben uns für Rasbmc entschieden und erläutern das Aufspielen der Software mit einem Windows-PC (auch für Mac und Linux gibt es entsprechende Anleitungen und Software), da hier die Installation sehr detailliert beschrieben und einfach zu umsetzen ist.

Zunächst steckt man die SD-Karte in das Kartenlesegerät in seinem PC. Auf der Seite von Rasbmc gibt es im Download Bereich den Raspbmc Installer (oder gleich hier), welcher auf den PC heruntergeladen und ausgeführt wird. Dieser sollte automatisch die SD-Karte erkennen und man kann nun auf den Button „Install“ klicken. (Achtung – alle Daten auf der Karte werden damit gelöscht.)

Dies sollte nur wenige Minuten dauern und danach erhält man eine entsprechende Erfolgsmeldung.

3. Installation von Rasbmc

Nachdem man den Raspberry mit Fernseher, Lan (Internet-Anschluss) und Tastatur versorgt hat, wird noch die SD-Karte eingesteckt, sowie das Stromkabel angeschlossen. (Einen Schalter am Raspberry gibt es nicht.) Jetzt beginnt die eigentliche Installation, welche fast automatisch abläuft. Zunächst werden alle Dateien heruntergeladen und auf der Himbeere entpackt. Das kann bis zu 15 Minuten dauern – man kann also den Rat „Grab a coffee!“ des Installers durchaus folgen.

4. Erste Konfiguration Rasbmc

Nachdem die Installation fertig ist, bootet Rasbmc automatisch und schon ist der Mediaplayer einsatzfähig. Zunächst sollte man sich um eine vernünftige Bedienung kümmern. Schließlich will man nicht die ganze Zeit mit der Tastatur im Wohnzimmer sitzen. Eine sehr einfache und elegante Art das Rasbmc zu bedienen, ist via Smartphone. Sowohl für Android, als auch für iPhones gibt es kostenlose Apps, worüber man das Mediacenter steuern kann. Dazu muss man im Rasbmc den Webserver einrichten. Hierfür geht man zu „System“ -> „Einstellungen“ -> „Dienste“ -> „Webserver“. Zunächst muss man diesen aktivieren und anschließend sollte man den Port auf 8080 (anstatt 80) umstellen, da dies der Standard-Port ist, welche die Andriod App zum Verbinden verwendet. Zusätzlich vergibt man noch einen Usernamen und ein Passwort, mit dem sich andere Geräte auf dem Rasbmc verbinden dürfen.

Offical XBMC Remote App

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Direkter Zugriff auf Fotos, Videos, Musik...

Bei einem Android Smartphone (wie erwähnt, die iPhone App ist auch kostenlos verfügbar) installiert man sich aus dem Google Play Store die App „Offical XBMC Remote“ und startet diese. Nun fügt man den Rasbmc Host hinzu und gibt die entsprechenden Zugangsdaten ein. Tipp: Wenn man die IP des Rasbmc Hosts erfahren möchte, geht man im Rasbmc auf „System“ -> „Info“. Nun kann man mit dem Smartphone bequem den Mediaplayer bedienen.

Wenn man im Heimnetzwerk ein NAS besitzt, könnenn die dort hinterlegten Multimediadateien in das Rasbmc hinzugefügt werden. Dazu geht man z.B. auf „Fotos“ und dann auf „hinzufügen“. Anschließend sucht man sich die passende Verbindungsart aus, z.B. via Samba-Share (je nach NAS kann dies unterschiedlich sein) und fügt die gewünschten Ordner, bzw. Dateien im Rasbmc hinzu. Nun kann man auf die Dateien zugreifen und diese via Smartphone abspielen.

5. Fazit Multimediaplayer mit Raspberry PI

Der Raspberry Pi ist als Multimediaplayer gut geeignet. Er ist klein, geräuschlos und günstig. Aber man darf nicht vergessen, dass der Mini-Computer über keine High-End-Hardware verfügt und es hier und da schon mal etwas länger dauern oder ruckeln kann. Vor allem bei der Auswahl von anderen Themes sollte man vorsichtig sein. Die können die Himbeere schnell überfordern.
Aber bisher hatten wir keine größeren Probleme und sind mit der Performance insgesamt zufrieden. Sogar Videos im HD-Format konnten ohne Probleme abgespielt werden. Durch die Bedienung via Smartphone ist der Mediaserver auch absolut wohnzimmertauglich. Wir haben insgesamt nicht mehr wie 60 € ausgegeben und das ist ein spitzen Preis/Leistungsverhältniss!

Ein weiteres sehr nettes Projekt mit dem Raspberry Pi, ist das ChameleonPi Projekt. Hier verwandelt man den Mini-Computer in eine 80er Jahre Multi-Game-Console. Von Amgia500 über Commodore64 bis SuperNintendo, ist alles dabei was das Digitale Native Herz begehrt. Um dies zu realisieren, benötigt man nur eine zweite SD-Karte und schon kanns‘ losgehen…

 

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